FTTH/FTTB: Wie steht es um die Finanzierung des Glasfaserausbaus in Deutschland?

Bedeutung des Glasfaserausbaus in Deutschland

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht es in Deutschland eine zukunftsfähige Technologie wie Glasfaser, aber der flächendeckende Ausbau stellt weiterhin eine der großen Herausforderungen für Netzbetreiber in Deutschland dar. Beschleunigt durch die Folgen der Covid-19-Pandemie und dem anhaltenden Trend zur digitalen Vernetzung von Geräten und Systemen über das Internet (Stichwort: Internet of Things) wächst der Bedarf nach hochleistungsfähigen Internetanschlüssen stetig. Dies gilt für den privaten wie geschäftlichen Bedarf gleichermaßen. Private Anschlüsse werden etwa infolge von Telearbeit (Homeoffice) und Nutzung von hochauflösenden Streamingdiensten intensiv beansprucht. Gleichzeitig ist auch die Wirtschaft etwa infolge von Industrie 4.0 oder Automatisierung auf eine leistungsfähige Dateninfrastruktur angewiesen.

Die flächendeckende Versorgung mit hochleistungsfähigen Netzen ist eine Grundvoraussetzung einer erfolgreichen digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Trotzdem belegt Deutschland beim flächendeckenden Glasfaserausbau im internationalen Vergleich weiterhin einen der hinteren Plätze.

Aktuell strebt die Bundesregierung durch die Gigabitstrategie eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaseranschlüssen bis 2030 an.

Investitionen in Infrastrukturprojekte

Hinsichtlich der Umsetzung dieses Vorhabens geht die Gigabitstrategie davon aus, dass der Ausbau durch ein Nebeneinander von privatem und geförderten Ausbau erfolgen wird. Dabei soll der eigenwirtschaftliche Ausbau Vorrang vor staatlicher Förderung haben. Der Hauptbeitrag zum Glasfaserausbau soll damit von privaten Unternehmen geleistet werden.

Die Finanzierung des Ausbaus der Netzinfrastruktur stellt sich grundsätzlich als kapitalintensiv dar, so dass Finanzierungen stets mit Risiken verbunden sind und sich erst unter bestimmten Voraussetzungen rentieren. Gleichzeitig ist die Finanzierung des Glasfaserausbaus als Infrastrukturvorhaben für Investoren interessant, da solche Investitionen vergleichsweise stabile sowie gut prognostizierbare Cashflows über einen langfristigen Zeitraum erwarten lassen, aus denen der Schuldendienst zuverlässig bedient werden kann.

Besondere Bedeutung kommt hierbei der Sicherstellung des Cashflows über die Projektlaufzeit zu. Insbesondere bei Investitionen in den Ausbau der passiven Netzinfrastruktur (Dark Fiber) lassen sich verlässliche Liquiditätszuflüsse durch Überlassung des Netzes an einen aktiven Netzbetreiber im Rahmen langjährigen Leasingvereinbarungen sicherstellen. Aber auch bei der der Finanzierung aktiver Netzinfrastruktur lassen sich Investitionsrisiken wie etwas das Abnahmerisiko mit einer gezielten Vorvermarktung in den Zielgebieten begrenzen. Für jeden Investor, ganz gleich ob Eigen- oder Fremdkapitalinvestor oder Mezzanineinvestor, ist dabei der Schutz des eingesetzten Kapitals durch eine klug gewählte Struktur für die Projektentwicklung entscheidend.

Grundlage einer erfolgreichen Projektfinanzierung ist dabei ein gesundes Risikoprofil auf Basis der Machbarkeit des Projektes unter Berücksichtigung der Marktrisiken. Entscheidend sind dabei neben den rechtlichen und technischen Due Diligence Prüfungen und der Gewährung von Sicherheiten über die Vermögenswerte der Projektgesellschaft (Anteilsverpfändung, Kontenverpfändung, Sicherungsabtretung und -übereignung, aber ggfs. Direktverträge mit Projektparteien), auch ein Projektplan über den Projektverlauf mit überprüfbaren Meilensteinen zur Kontrolle des Projektfortschritts sowie Modelberechnungen der Finanzierungstruktur.

Mögliche Markttrends: Wholesale- und Open-Access-Modelle

Die TKG-Novelle zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2018/1972 soll ein Ordnungsrahmen schaffen, welcher gezielt Anreize für Investitionen setzt und den marktgetriebenen Ausbau der Netzinfrastruktur voranbringen soll.

In Betracht kommen hierbei Wholesale- bzw. Open-Access-Modelle. Wholesale-Konstellationen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie zu einem Auseinanderfallen der Wertschöpfungsstufen führen. Kennzeichnend ist, dass der Betrieb der Netzinfrastruktur von der Endkundendienstleistung entkoppelt ist. Open-Access-Modelle hingegen sollen Anreize für den gemeinsamen Ausbau und zur Öffnung der Netze schaffen. Ziel ist hierbei den Infrastrukturwettbewerb verzichtbar zu machen und unnötig hohe Investitionskosten sowie Überbauungen zu vermeiden. Hier gilt es zu beobachten, inwiefern sich solche Modelle am Markt in Zukunft durchsetzen können.

Zu beobachten ist derzeit eine Entwicklung weg von einer Investitionsplanung, die primär einen schnellen Ausbau der Netzinfrastruktur mit möglichst vielen homes passed zu einer mehr Cashflow orientierten Planung mit eine hohen Take-up-Rate, also vielen homes activated, anstrebt. Die spannende Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist, ob dies zu eine Konsolidierungswelle auf Assetebene führt oder ob es nicht viel mehr Aggregatoren braucht, die durch die Bündelung kleinerer Ausbauprojekte mit passiver Infrastruktur ein interessantes Angebot an den Wholesale-Markt machen können, so dass größere Serviceprovider Interesse auch an der Vermarktung von Anschlüssen in kleineren Netzen haben und so die Take-up-Rate auch dort erhöhen. In jeden Fall sind immer die Chancen und Risiken für einen Netzeigentümer abzuwägen, wenn er sein Netz für Wholesale öffnet. Gerade Exit-Regelungen in den Verträgen brauchen dann erhöhte Aufmerksamkeit auch von den Fremdkapitalgebern.

Unsere Expertise

Unser Team berät regelmäßig sowohl Banken und Investoren als auch Projektentwickler umfassend zu Infrastrukturprojekten und verfügt über langjährige Erfahrungen insbesondere bei FTTH/FTTB Projekten. Sprechen Sie uns gerne an und profitieren Sie von unserer Expertise im Bereich der Telekomfinanzierung.

Mit freundlicher Unterstützung von Apostolos Mitsios (wissenschaftlicher Mitarbeiter) und Silan Loennecker (studentischer Mitarbeiter).

Insights

Mehr

Newsletter ESG - Mai 2024

Mai 22 2024

Mehr lesen

Newsletter Technologie & Kommunikation Ausgabe 3 - 2024

Mai 21 2024

Mehr lesen

„Homeoffice begründet in der Regel keine Betriebsstätte des Arbeitgebers” – Finanzverwaltung nimmt erstmals Stellung zur Thematik

Mai 21 2024

Mehr lesen