Befristete Verträge im Profisport: Torwart Müller gegen 1. FSV Mainz 05

02 April 2015

Gertrud Romeis

Arbeitsgericht Mainz, Urteil vom 19. März 2015 - 3 Ca 1197/14 (noch nicht veröffentlicht)

Die Ungewissheit der zukünftigen Leistungsentwicklung ist kein Grund, der eine Befristung des Arbeitsvertrages mit einem Spitzensportler rechtfertigt; meint das Arbeitsgericht Mainz und rührt an der mehrfach diskutierten Frage, ob Profisportler im Fußball den Schutz durch das Arbeitsrecht brauchen.


Hintergrund

Die Befristung von Verträgen mit Arbeitnehmern ist nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) ohne Sachgrund für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren zulässig oder muss durch einen Sachgrund gerechtfertigt sein. Das Gesetz listet in § 14 Abs. 2 Regelbeispiele auf, nach denen ein solcher Sachgrund zu bejahen ist - etwa wenn ein Arbeitnehmer nur vorübergehend zur Vertretung eines anderen Arbeitnehmers eingesetzt wird oder wenn die Befristung durch die Eigenart der Arbeitsleistung gerechtfertigt ist.

Dass Fußballer Arbeitnehmer sind, ist nach den durch die arbeitsgerichtliche Rechtsprechung herausgebildeten Kriterien zur Abgrenzung von Arbeitnehmern und Selbständigen klar: sämtliche Aspekte der Arbeit eines Profifußballers vom Training einschließlich Erholungsphasen, Spielen, Werbe- und Presseauftritte bis zu Fanterminen werden vom Verein vorgegeben. Der Spieler ist weisungsgebunden. Damit sind auf ihn auch Arbeitnehmerschutzrechte wie die Befristungsregeln anzuwenden.

Sachverhalt

Der Torwart des 1. FSV Mainz 05, Heinz Müller, war zunächst für drei Jahre befristet als Lizenzfußballspieler beschäftigt. Unmittelbar im Anschluss an diesen Drei-Jahres-Zeitraum schlossen die Parteien im Sommer 2012 einen auf zwei Jahre befristeten Vertrag. Der Kläger begehrt Feststellung, dass das Arbeitsverhältnis unbefristet fortbesteht. Der beklagte Verein macht geltend, der Kläger sei zum Zeitpunkt des Abschlusses des zweiten Vertrages bereits 34 Jahre alt gewesen und die an ihn zu stellenden Leistungserwartungen waren entsprechend ungewiss. Auch seien befristete Verträge branchenüblich.

Entscheidung

Das Arbeitsgericht Mainz gab der Klage von Heinz Müller statt. Zwar könnten Sachgründe – etwa in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe, konkret die Befristung auf eigenen Wunsch des Profisportlers – die Befristung rechtfertigen. Die Ungewissheit der zukünftigen Leistungsentwicklung sei aber auch im Profisport kein Sachgrund im Sinne des TzBfG.

Ausblick

Die Vereine werden mit Spannung die Entscheidungsgründe und den Fortgang des Verfahrens erwarten. Der 1. FSV Mainz 05 hat Berufung gegen das Urteil des ArbG Mainz angekündigt. In bisherigen Entscheidungen von Arbeitsgerichten zur Befristung von Verträgen im Profisport stellten die Richter auf den Sachgrund der Eigenart der Arbeitsleistung (§ 14 Abs. 1 Nr. 4 TzBfG) ab und bejahten die Rechtmäßigkeit der Befristung (z. B. BAG, Urteil vom 29.10.1998 - 7 AZR 436/97 – Tennistrainer unterliege „Verschleißtatbestand“ und LAG Nürnberg, Urteil vom 28.03.2006 - 7 Sa 405/05 – „Sachgründe für die Befristung eines Arbeitsvertrages mit einem Profifußballer können das Abwechslungsbedürfnis des Publikums und das Alter bzw. die zu erwartenden körperlichen Defizite des Spielers sein.“).

Um Vereinen Sicherheit in Bezug auf die Befristung von Arbeitsverträgen zu geben, müsste die Politik tätig werden und im TzBfG eine zulässige Befristung im Spitzensport regeln. Eine andere Möglichkeit ist die von der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) nach Presseberichten geforderte Vereinbarung von Tarifverträgen, die dann eine höchstzulässige Befristungsdauer regeln könnten.

Autor

Gertrud Romeis

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